Liquidität vs. Gewinn

By 17. November 2015Rechnungswesen

Für einen Unternehmer gibt es aufgrund der finanziellen Perspektive zwei wesentliche Themen: Die Erzielung von Gewinn und die Sicherung der Zahlungsfähigkeit. Beide Ziele müssen erreicht werden, sonst droht die Insolvenz. Aber bedeutet das, dass auch beiden Themen der gleiche zeitliche Aufwand bzw. die Aufmerksamkeit geschenkt werden muss?

Die Antwortet lautet: Es kommt darauf an. Natürlich hängt vieles vom Geschäftsmodell und der Art Ihres Unternehmen ab, aber es gibt gewisse Punkte, die Sie gerade in den ersten Jahren nach der Gründung beachten sollten, auf die ich im Folgenden eingehen möchte.

Gewinn ist ein langfristiges und nachhaltiges Ziel, welches die Rentabilität Ihres Unternehmens widerspiegelt. Der Vorteil am Anfang ist, dass Verluste schmerzhaft, aber nicht existenzbedrohend sind (zumindest bis zu einem gewissen Maß) und eine gute Planung sollte sie miteinbeziehen. Es passiert nichts, wenn Sie beispielsweise bei einer GmbH in den ersten drei Jahren jeweils € 5.000,00 Verlust machen. Weder das Finanzamt noch Ihr Steuerberater wird vorbeikommen und den Laden dicht machen.

Die wirkliche Gefahr in den ersten Jahren wird von einer nicht vorhandenen Liquidität ausgehen. Außer Sie sind mit ausreichend Venture Capital versorgt worden, dann hören Sie jetzt auf zu lesen und verwenden Ihre Zeit lieber damit, Geld auszugeben. Allen anderen kann ich nur raten: Planen Sie ihre Liquidität und machen Sie es gut! Setzen Sie bei unternehmerischen Entscheidungen den Fokus auf die Liquidität und vernachlässigen sie ein wenig die Gewinn-Planung. Damit das klappt, würde ich Ihnen gern folgende Ratschläge und Hinweise mit an die Hand geben:

  • Benutzen Sie nicht die Zahlen aus der BWA (betriebswirtschaftliche Auswertung) Ihres Steuerberaters zur Planung! Die kommt erstens zu spät und zweitens gibt es zu viele Unterschiede zwischen Buchhaltung und Liquiditätsplanung.
  • Es klingt banal, aber es wird am Anfang oft falsch gemacht: Halten Sie Ihre Fixkosten so gering wie möglich und vermeiden Sie längerfristige Verträge. Jeder Kostenfaktor, von dem Sie sich schnell trennen können, kann in einer Krise Gold wert sein.
  • Sollten Sie projektbezogene Einnahmen haben, bezahlen Sie projektbezogenen Ausgaben erst, wenn Sie ihr Geld haben. Es ist zwar nobel, seine Verbindlichkeiten sofort zu begleichen, aber am Ende haben Sie den Schaden.
  • Beantragen Sie die Ist-Versteuerung bzw. sagen Sie es Ihrem Steuerberater. Ist-Versteuerung bedeutet, dass Sie die fällige Umsatzsteuer erst bezahlen müssen, wenn ihr Kunde auch gezahlt hat. In der Regel unterliegt z.B. eine GmbH der Soll-Versteuerung und muss die Steuer bereits für den Monat der Rechnungsstellung zahlen. Viele Steuerberater vergessen, dass es auch bei GmbHs möglich ist, die Ist-Versteuerung zu beantragen.
  • Auch wenn Sie überzeugt sind, dass Sie keinen Kredit benötigen, sprechen Sie mit Ihrer Bank und beantragen Sie einen umfangreicheren und dauerhaften Kontokorrentkredit und machen Sie das nicht erst, wenn die Krise bereits anklopft. Eine grundlegende Regel bei Banken ist: Wenn man Geld hat, geben Sie dir mehr und wenn man keines hat, gibt es auch kein Geld von der Bank. Dies gilt vor allem für Gründer und junge Kapitalgesellschaften.

Zum Abschluss möchte ich Sie noch für die Steuerfalle des ersten Gewinns sensibilisieren. Ihr Unternehmen erzielt im dritten Jahr nach Gründung die ersten umfangreichen Gewinne und Sie planen bereits die nächsten Investitionen, damit Ihr Geschäft noch erfolgreicher wird. Bevor Sie dies tun, legen Sie bitte 35-40% Prozent von Ihrem Gewinn als Barreserven auf ein extra Konto und lassen es dort. Die steuerliche Gewinnermittlung erfolgt in der Regel zusammen mit der Jahresabschlusserstellung, je nach Belastung Ihres Steuerberaters haben Sie ihren Abschluss für das Jahr 01 wahrscheinlich erst im November oder Dezember von Jahr 02. Bis dann das Finanzamt Ihrer Erklärungen bearbeitet hat, vergehen auch noch einmal mehrere Monate. Praktisch gesprochen bedeutet dies, dass Sie Ihre Steuerschulden erst nach einem Jahr oder noch später zahlen. Hinzu kommt, dass Sie wahrscheinlich nicht nur Steuern für Ihren ersten Gewinn zahlen müssen, sondern auch nachträgliche Vorauszahlungen für zukünftige Gewinne. Ein guter Steuerberater warnt Sie, wenn er es nicht tut, droht im schlimmsten Fall dennoch die Insolvenz.

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